40 Jahre Weltladen – Berliner Compagnie zeigt „Alles Fleisch“

40 Jahre Ökumenischer Initiativkreis „Eine Welt“ e.V., Lippstadt, und „Weltladen“

Wir wundern uns manchmal selber, dass es uns noch gibt, dass wir uns all die Jahre nicht haben entmutigen lassen“, sagt Ulla Ley, eine der Mitgründerinnen der ersten Stunde. Angefangen hatte alles Ende des Jahres 1981. Junge Erwachsene aus der St. Elisabeth-Gemeinde, aus dem Kreis junger Erwachsener der Ev. Kirchengemeinde und einem gemeindeübergreifenden Familienkreis hatten eine gemeinsame Idee, wie sie auch in Lippstadt bzw. aus Lippstadt heraus ein wenig die Welt zu einem besseren Ort machen könnten. Eine, wie man damals sagte, Dritte-Welt-Gruppe, den Ökumenischen Initiativkreis „Eine Welt“ gründeten sie, einschließlich eines Dritte-Welt-Ladens. Am Anfang stand also eine Vision. Eine Satzung und der obligatorische Notarbesuch folgten.

Kaffee, Tee, Jutetaschen, Kunstgewerbe, Süßwaren, auch Bücher bestimmten das Sortiment des damaligen Weltladens, der anfänglich den Namen „Nadelöhr“, eine Anspielung auf ein Gleichnis im Neuen Testament, trug. Aber nicht nur Waren zu fairen Preisen wollten die jungen Menschen verkaufen, sie wollten aber auch andere Menschen überzeugen durch Vorträge und Aktionen. Darüber hinaus unterstützte der Initiativkreis Projekte im globalen Süden. Der politischen Agenda jener Tage folgend, bezogen sich ihre Aktivitäten auf das mittelamerikanische Land Nicaragua, auf das asiatische Inselreich Philippinen und auf andere Länder, in denen die Not groß war.

Nun sind 40 Jahre ins Land gezogen. Viele Gründungsmitglieder haben mittlerweile graue Haare bekommen, bei den meisten Männern sind sie auch nicht mehr so lang wie damals. Und nach mehreren Umzügen von der Marktstraße in die Blumenstraße und wieder zurück zur Marktstraße, aber zu einer anderen Hausnummer besteht der Initiativkreis immer noch, immer noch aktiv, immer noch das Weltgeschehen aufmerksam verfolgend. Die Liste ihrer Aktionen und Projekte umfasst mehrere Seiten.

Beispielhaft seien hier einige wenige genannt. 2001 wurde der Lippstadt-Kaffee eingeführt. Die Aktion „Mural Global“ brachte die Lippstädter Künstlerin Alicia Bialach mit einem Künstler aus Nicaragua, Daniel Pulido, zusammen. Gemeinsam schufen sie an der Außenwand des Arbeitsamtes ein großflächiges Gemälde. Im Gegenzug gestalteten beide in der nicaraguanischen Stadt Tipitapa, nahe der Hauptstadt Managua gelegen, ein ähnlich großes Gemälde. Im Zusammenhang mit dieser Aktion begleiteten Mitarbeiterinnen des Weltladens die beiden Künstler. Sie besuchten vor Ort die Kaffeeplantage, auf der der Lippstadt-Kaffee angebaut wird. 2008 führte der Initiativkreis mit Unterstützung der Kultur und Werbung Lippstadt (KWL) das Musical Thula Sizwe, deutsch: „Weine nicht“, auf. Zahlreiche Zulu-Tänzer und –Sänger reflektierten und präsentierten auf künstlerische Weise ihre Lebenssituation im armen KwaZulu-Natal/Südafrika. Initiiert hatte sich damals auch besonders der Ostendorfschüler Henry Webel, der durch den Fair-Trade-Point am Ostendorfgymnasium eng mit dem Weltladen verbunden war.

Vor neun Jahren entwickelte sich aus dem Lippstädter Netzwerk LiNet die Fair-Trade-Town Lippstadt. Um diese Bezeichnung tragen zu dürfen, müssen einige Prüfkriterien erfüllt sein. Die Auszeichnung gilt immer nur für zwei Jahre und muss danach einen erneuten Qualifizierung-Prozess durchlaufen.

Darüber hinaus beteiligt sich der Weltladen, der dem Dachverband angeschlossen ist, an den politischen Aktionen zum jährlichen Weltladentag. In den letzten Jahren stehen die Forderungen für ein Lieferkettengesetz im Vordergrund.

Während der Weltladen sich auf den fairen Handel fokussiert, unterstützt der Initiativkreis durch Mitgliedsbeiträge und Spenden Projekte in den Ländern des globalen Südens, beispielsweise medizinisch-psychologische Projekte für traumatisierte Frauen in Palästina, Hurrikan-Hilfe sowie Unterstützung zur Errichtung von Gesundheitsstationen und den Bau von Wasserleitungen für die Menschen in Nicaragua, Projekte in Ruanda, Mozambik, Tansania, Ghana, in El Salvador, Guatemala, Bolivien und vielen Ländern mehr. In all den Jahren von 1981 bis 2020 sind 333.327 € in die Projekte geflossen.

Unerlässlich ist aber die Aufklärung der Menschen, gemäß der drei Säulen: Verkauf, Bildung und politische Arbeit, hier über die weltweiten Katastrophen und bisweilen auch vergessenen Konflikte und Aufgaben, denen sich der Ökumenische Initiativkreis stellt. Vorträge im Weltladen, in der VHS, in Schulen, Aktionen mit Schülerinnen und Schülern, Konfirmandinnen und Konfirmanden und vielen anderen sowie der Besuch von Menschen, die in diesen Projekten vor Ort arbeiten, sind wesentlicher Bestandteil ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Das Berufskolleg Cappel hat sich als bislang einzige Fair-Trade-Schule in Lippstadt etabliert. Ebenso der evangelische Jacobi-Kindergarten ist schon seit einiger Zeit Fair-Trade-Kindergarten. Unerlässlich auch die Kontrolle über zuverlässige Menschen in den dortigen Gebieten, damit die Unterstützung auch tatsächlich dort ankommt, wofür sie bestimmt ist.

Nun 40 Jahre später gibt es den Ökumenischen Initiativkreis „Eine Welt“ und den „Weltladen“ immer noch. Immer noch aktiv sind die ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer. Wenn man sie nach dem Grund fragen würde, würden sie antworten: „Weil es not – wendig ist.“

Weitere Informationen: www.weltladen-lippstadt.de

Vereinskonto: Volksbank Beckum-Lippstadt eG: IBAN: DE55416601240005450000 BIC: GENODEM1LPS

Spendenkonto: Sparkasse Lippstadt: IBAN: DE22416500010003305505 BIC: WELADED1LIP

Ladenkonto: Sparkasse Lippstadt: IBAN: DE22416500010000011676 BIC: WELADED1LIP

update: Termin verschoben

Weltladen wird 40 Jahre alt
Produktion „Alles Fleisch“ im Stadttheater zu sehen

Was die Massentierhaltung mit Mensch und Klima macht

„Alles Fleisch“ heißt es am Dienstag 20. April 2021 um 20 Uhr im Stadttheater. Die Inszenierung der Berliner Compagnie ist anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Initiativkreises eine Welt und des Weltladens zu sehen.
Übrigends: Nicht nur der Ökumenische Initiativkreis “Eine Welt“
feiert seinen 40. Geburtstag, sondern auch die Berliner Compagnie.
Inszenieren, proben, aufführen in Zeiten von Corona, geht das?Die Berliner Compagnie will es wagen, weil es um ein wichtiges Thema wie die Massentierhaltung und den damit verbundenen Folgen geht. Bekannt ist die Theatergruppe nämlich für ihre gesellschaftskritischen Themen, die sie in ihren Inszenierungen aufgreift.

Der Inhalt ist folgender: Innerhalb der Familie Schwarte prallen die Widersprüche aufeinander. Da ist zum einen Philipp, der Chef eines Fleischkonzerns, zum anderen sein Bruder, der Amtstierarzt, der zwischen allen Stühlen sitzt. Dessen Frau Marianne engagiert sich im Weltladen für den globalen Süden, die gemeinsame Tochter Lisa ist eine glühende Tierrechtlerin. Ihre Freundin Hanna, eine Linke, prangert die Arbeitsverhältnisse im Schwarte-Konzern an und versucht, sich in der Lokalzeitung der kleinen Stadt zu behaupten. Welche Interessen, welche Verstrickung und Vorteilsnahme stehen einer Änderung dieser Verhältnisse entgegen? Im Mikrokosmos einer deutschen Kleinstadt geht das Stück dieser Frage nach. Der Ankündigung zufolge stehen unbequeme Fragen im Mittelpunkt. Wie wirkt sich die Massentierhaltung aus? Was tun wir den Tieren an und letztlich: Was kommt bei uns auf den Tisch? Die Anfänge des Initiativkreises Eine Welt gehen auf das Ende des Jahres 1981 zurück. Junge Erwachsene aus unterschiedlichen Gemeinden hatten die Idee, wie sie auch in Lippstadt ein wenig die Welt zu einem besseren Ort machen könnten. Eine, wie man damals sagte: „Dritte Welt Gruppe“ entstand und aus ihr wurde der Ökumenische Initiativkreis „Eine Welt“ einschließlich eines Weltladens gegründet.
Am Anfang stand also eine Vision. Nach 40 Jahren gibt es den Initiativkreis immer noch, er ist immer noch aktiv und verfolgt immer noch aufmerksam das Weltgeschehen.

Bericht: H.-J. Skutnik
Foto: Berliner-Compagnie