Vier Erntehelfer in Kalabrien ermordet – Kirche fordert Ende der Ausbeutung
Mehr als 100 Tonnen faire Orangen setzen ein Zeichen für faire Preise und Menschenwürde
Lippstadt/Dortmund/Bielefeld. Die grausame Ermordung von vier Erntehelfern in Kalabrien erschüttert Menschen in Italien und weit darüber hinaus. Die Männer aus Pakistan und Afghanistan wurden nach mehreren, übereinstimmenden Medienberichten (u.a. RND, ntv) Anfang dieser Woche in Amendolara Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens. Sie wurden, in einem Mini-Van von der Arbeit kommend, bei lebendigem Leib verbrannt. „Die Mordtat, die nach einem Lohnstreit erfolgt sein soll, lenkt den Blick auf die grausamen und menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen, denen viele migrantische Landarbeiter in Süditalien ausgesetzt sind. Leider ist dieser brutale Mord kein Einzelfall.“, erläutert Margot Bell vom Weltladen Lippstadt.
Die von der westfälischen Kirche initiierte Orangen-Aktion „Süß statt bitter“ setzt seit sechs Jahren ein Zeichen gegen diese Gewalt und Ausbeutung. Seit mehreren Jahren beteiligt sich der Weltladen regelmäßig an dieser Aktion. In der Saison 2025/26 wurden in Deutschland mehr als 100 Tonnen fair gehandelte Orangen und andere Früchte der Kooperative SOS Rosarno aus Kalabrien verkauft.
Doro Höfer erläutert: „Faire Preise für ihre Früchte sowie Erntehelfer den gesetzlichen Mindestlohn und Arbeitsverträge sind Grundlage der Arbeit bei der Kooperative.“ Viele Menschen aus Kirchengemeinden, Weltläden, Kommunen, Schulen organisieren meistens ehrenamtlich die Bestellung und den Verkauf der fairen Orangen.
Die Ermordung der vier Erntehelfer mache deutlich, „dass faire Preise und faire Arbeitsbedingungen notwendig sind“, sagt Katja Breyer, stellvertretende Leiterin des oikos-Instituts für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Hinter jeder Frucht, die wir kaufen, stehen Menschen. Ihre Würde und Rechte müssen gewahrt sein.“ Die Orangen-Aktion zeige, dass eine menschenwürdige und nachhaltige Landwirtschaft sowie ein solidarischer Konsum möglich seien.
Quellen: SOS Rosarno/Mediterranean Hope/ntv/RND/oikos-Institut für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen
Bild: Antonio Pisacreta/ROPI/picture alliance
